Hitzewellen

Hitzerisiko in Deutschland

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf schlägt im Mai 2022 Alarm: Extrem-Hitzeereignisse und Wärmerekordjahre werden in den kommenden zehn Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmen. Global betrachtet werden wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 93% in den Jahren zwischen 2022-2026 mindestens ein Jahr erleben, welches das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein wird.

Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland (Umweltbundesamt) benennt sehr deutlich die Szenarien, auf die wir uns bei unverändertem Treibhausgasausstoß einstellen müssen: Im pessimistischen Szenario sind zu Ende des Jahrhunderts über 40 Heiße Tage pro Jahr zu erwarten. Das bedeutet 28 Tage mehr als im Zeitraum von 1971 bis 2000.


Was ist eine Hitzewelle?

International gibt es keine einheitliche Definition von Hitzewellen. Der Deutsche Wetterdienst nutzt den Begriff „Gefühlte Temperatur“, der neben der Temperatur weitere für das Wohlbefinden und die Gesundheit relevante Parameter wie Luftfeuchtigkeit, Strahlung und Wind einbezieht. Wenn die Gefühlte Temperatur 32° C übersteigt, spricht man von starker Wärmebelastung, was laut den Handlungsempfehlungen der Hitzewarnstufe 1 in Hitzeaktionsplänen entsprechen sollte. Ab 38° C herrscht extreme Wärmebelastung und Hitzewarnstufe 2.

Kritisch verstärkend wirken in dem Zusammenhang auch urbane Wärmeinseln, die aufgrund von dichter Bebauung eine zusätzliche Aufheizung der Umgebung bewirken, und sogenannte Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20° C absinkt, sodass die Nachtruhe des Körpers verhindert wird und keine Erholung und Abkühlung möglich sind.


Hitzewellen verursachen unsichtbares Leid

Das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge e.V. hat festgestellt, dass 96% der Todesfälle durch Naturkatastrophen zwischen 1990 und 2020 durch Hitze verursacht wurden – mehr als bei Stürmen und Überschwemmungen. Hitzewellen sind (noch) seltener als diese, aber tödlicher. Allein während der Hitzewelle im Jahr 2003 starben in Deutschland schätzungsweise 7.600 Menschen, in Europa insgesamt bis zu 70.000 Menschen. Schätzungen gehen von mehreren Hundert bis mehreren Tausend hitzebedingten Todesfällen jährlich in Deutschland aus (zum Nachlesen: an der Heiden, M, et al. (2019), Schätzung hitzebedingter Todesfälle in Deutschland, 2001– 2015).

Erschwerend kommt hinzu, dass es in Deutschland kein zeitnah auswertbares, einheitliches Monitoringsystem für die Erfassung von Todesfällen und Erkrankungen durch Hitze gibt. Das bedeutet einerseits, dass das Leid der Erkrankten und Hinterbliebenen unsichtbar bleibt, andererseits fehlt staatlichen Stellen und dem Gesundheitswesen damit die Grundlage, um auf Akutsituationen reagieren, eine bessere Versorgung gewährleisten und weiteren Schaden abwenden zu können.


Fazit: Wir sind nicht vorbereitet

Kommunen, das Gesundheitswesen und die kritische Infrastruktur sind auf Hitzeextreme nicht oder nicht ausreichend vorbereitet – und das kann ernsthafte Folgen haben. Das betrifft sowohl die Prävention und Behandlung von Hitzeerkrankungen im stationären und ambulanten Versorgungssystem, als auch den Schutz hitzevulnerabler Gruppen in ihren Lebenswelten – zuhause, in Sammelunterkünften, auf der Straße, am Arbeitsplatz und in Schulen und Kitas.

Es fehlt an flächendeckenden Hitzeaktionsplänen in Ländern, Kommunen und Gesundheitseinrichtungen, an festen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, an einem einheitlichen Monitoringsystem und an erprobten und belastbaren Plänen sowohl für die Akutsituation als auch für die langfristige Hitzeresilienz.